
IBC

Inclusive Border Cycling
Wie kann eine Radroute inklusiv werden?
Ziel des Projekts IBC war es, soziale Inklusion und nachhaltigen Tourismus zu fördern und dabei das Kultur- und Naturerbe der Grenzgebiete des Donauraums zur Geltung zu bringen. Durch die Entwicklung inklusiver Routen für Radfahrende und die Einbindung der Gemeinschaften vor Ort, insbesondere vulnerabler Gruppen, hat das Projekt dazu beigetragen, im Donauraum attraktivere und besser zugängliche Ziele für den Radtourismus zu schaffen.
Der Kreis Temesch fördert einen verantwortungsvollen Tourismus, der auf den Werten der Region aufbaut. Mit dem Projekt IBC haben wir uns an Freizeitradelnde jeden Alters und jeder Kondition gewandt, die Natur, Kultur und die Gemeinschaften vor Ort auf authentische und nachhaltige Weise entdecken möchten.
Über das Projekt
Von der lokalen Erinnerung zum Erlebnis für Gäste
Kann ein „gewöhnlicher“ Ort zu einem Ziel für den Radtourismus werden? Mit dieser Frage begann die Initiative des Kreises Temesch.
Das Grenzgebiet im Süden des Kreises ist eine Randregion mit begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten und wenigen spektakulären Touristenattraktionen. Deshalb wollten wir die unerzählten Geschichten zur Geltung bringen, die in der Temescher Heide verborgen liegen.
Der Schwerpunkt verlagerte sich von der Landschaft hin zu den Menschen und zur Erinnerung, und aus dem unsichtbaren Erbe wurde ein Erlebnis, das Gäste entdecken und selbst erfahren können.
Aus der Frage „Welche Attraktionen haben wir?“ wurde die Frage „Welche Geschichten können wir erzählen?“
Mit dem Perspektivwechsel wurde das Erzählen selbst zur Hauptattraktion.
Das Projekt hat gezeigt, dass der wahre Schatz der Gegend in den Menschen liegt, in der Erinnerung der Gemeinschaften und in den Geschichten, die über Generationen weitergegeben wurden – und: Geschichten aus der Region können eine Route in ein Erlebnis verwandeln.
Die Route
Die Region genießt internationale Sichtbarkeit und hat die Chance, den Radtourismus auszubauen – dank der Route EuroVelo 13 – Europa-Radweg Eiserner Vorhang (Iron Curtain Trail). Sie ist nicht nur eine Strecke zum Abfahren, sondern eine Reise durch die Geschichte und die Erinnerung der Gemeinschaften, die an ihr liegen.
Die Route bietet die Möglichkeit, Naturlandschaften, abgelegene ländliche Gegenden, Gemeinschaften vor Ort, Kulturerbe, die Erinnerung an die kommunistische Zeit, Geschichten von der Grenze und authentische Erfahrungen der Menschen entlang der einstigen Trennlinie zwischen West- und Osteuropa zu entdecken.
Der Europa-Radweg Eiserner Vorhang ist eine der Kulturrouten des Europarats.
Jeder Ort hat eine Geschichte
Die Geschichte eines Ortes findet sich nicht nur in Museen und Denkmälern. Sie lebt auch in der Erinnerung der Menschen, in den Erfahrungen der Gemeinschaften vor Ort. Die im Rahmen des Projekts gesammelten Geschichten drehen sich um:
Menschen – die Erfahrungen und Erinnerungen derer, die in diesen Gemeinschaften leben
Erinnerung – Erinnerungen an die kommunistische Zeit und an die Ereignisse von 1989
Multikulturelles Erbe – das multikulturelle Vermächtnis, das die Region geprägt hat
Grenze – die Erfahrungen und Geschichten von Menschen, die in einem Grenzgebiet gelebt haben
Wie wurden die Geschichten gesammelt?
Die Geschichten sind gemeinsam mit der Gemeinschaft entstanden. Am Anfang stand kein vorgefertigter Tourismusplan. Es war ein gemeinsamer Prozess des Entdeckens.
1. Wir haben zugehört
In einem Workshop mit Vertreterinnen und Vertretern von Kommunalverwaltungen, NGOs und Kultureinrichtungen, mit Historikerinnen und Historikern und mit führenden Köpfen der Gemeinschaft gingen wir von der Frage aus: „Welche Geschichten prägen den Ort, an dem wir leben?“
2. Wir haben uns vernetzt
Die Organisationen vor Ort wurden zu Partnern und Mitgestaltern der Erlebnisse und der geführten Touren.
3. Wir haben gemeinsam gestaltet
Radfahrende, Einheimische, Medienschaffende, Kinder und ältere Menschen haben gemeinsam dazu beigetragen, die Geschichten aus der Region zu entdecken und weiterzugeben.
4. Wir haben aus Geschichten Erlebnisse gemacht
Die Geschichten wurden in Radtouren eingebunden und in der Praxis erprobt.
Von Geschichten zu Erlebnissen
Unser Motto lautete: Fahr die Route nicht einfach nur ab. Erlebe sie.
Die Geschichten über die Zeit des Eisernen Vorhangs im Grenzgebiet des Kreises Temesch wurden in Radtouren eingebunden, die gemeinsam mit den Gemeinschaften vor Ort organisiert wurden. Teilgenommen haben Einheimische und Gäste aus Temeswar (Timișoara) unterschiedlichen Alters.
Die Erlebnisse haben gezeigt, dass Geschichten wirken: Sie geben Orten Bedeutung und schaffen eine emotionale Bindung zwischen Gast und Reiseziel.

Von Geschichten zu Wegmarken
Die Geschichten sind auch zu Wegmarken geworden. Aus den in der Gemeinschaft gesammelten Geschichten wurden nicht nur Inhalte, sondern auch greifbare Elemente, die die Route markieren. Im Rahmen des Projekts sind zwei künstlerische Interventionen entstanden, die von den Geschichten aus der Region inspiriert sind.
Diese Wegmarken schaffen eine Verbindung zwischen:
Erinnerung → Geschichte → Ort → Erlebnis
und geben Radfahrenden neue Gründe, anzuhalten, zu entdecken und ihre Reise fortzusetzen.

Entdecke den Kreis Temesch
Was wirst du entlang der Route entdecken?
Die Route ist mehr als eine Linie auf der Karte. An ihr entlang kannst du entdecken:
Radrouten in der Umgebung
Routen, die sich dafür eignen, die Region mit dem Rad zu erkunden.
Sehenswürdigkeiten
Orte und Gemeinschaften, die es zu entdecken lohnt.
Regionale Produzenten
Entdecke die Produkte und die Menschen dahinter.
Essen & Trinken
Orte, an denen du einkehren und den Geschmack der Region entdecken kannst.
Kunst und Kultur
Kultureinrichtungen, künstlerische Interventionen und lokales Erbe.
Kunsthandwerk
Menschen und Tätigkeiten vor Ort, die die Traditionen der Gemeinschaften bewahren.
Geschichten
Persönliche Lebensgeschichten und das Gedächtnis der Orte.
Geschichten in Bildern
Entdecke die Region in Videos, Fotos und Geschichten.
Sieh dir die Geschichten an
Konspirative Häuser / Secret Houses
Der Kleine Grenzverkehr / Petty Trafficking
Storytelling auf EuroVelo 13 – Otelek
Lies die Geschichten
Ein Buch mit den Geschichten aus der Region, die im Projekt entstanden sind (PDF, 41 MB)
Entdecke die Geschichten
Eine Broschüre mit der Karte der Route und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten (PDF, 33 MB)
Eine künstlerisch gestaltete Karte der Route (PDF, 48 MB)
Ergebnisse
Eine Gemeinschaft aufbauen – gemeinsam mit den Menschen vor Ort
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Projekts war die Einbindung der Gemeinschaften vor Ort. Es entstanden neue Kooperationen zwischen Kommunalverwaltungen, Nichtregierungsorganisationen, Kultureinrichtungen, Historikerinnen und Historikern, lokalen Gemeinschaften, Radfahrenden und Einheimischen. Die Geschichten sind zu einem Werkzeug geworden, mit dem die Gemeinschaften ihren eigenen Ort und ihre eigene Erinnerung vorstellen können.
Was entstanden ist
Die Plattform VeloTimiș (velotimis.ro)
Radtouren
Eine Broschüre mit der Karte der Route
Eine künstlerisch gestaltete Karte
Ein Buch mit den Geschichten aus der Region
Ein Film über die Gemeinschaft von Otelek (Otelec)
Zwei künstlerische Interventionen
Neue Kooperationen zwischen Institutionen und Gemeinschaften
Perspektivwechsel: von der Infrastruktur zum Erlebnis
Klassische Route → Route, die auf Geschichten baut
Dorf → Gemeinschaft
Gebäude → Erinnerung
Grenze → Menschliche Erfahrung
Weg → Reise
Route → Reiseziel
Fazit
Jeder Ort hat Geschichten.
Erlebnisse können wichtiger sein als Attraktionen.
Die Gemeinschaften vor Ort sind die besten Erzähler.
Storytelling kann für alle zugänglich sein und lässt sich Schritt für Schritt entwickeln.
Anders als Infrastruktur lassen sich die authentischen Geschichten einer Gemeinschaft von keinem anderen Reiseziel kopieren.
Infrastruktur zieht Radfahrende an.
Geschichten schaffen Reiseziele.
Und an die Geschichten erinnern sich die Menschen.
Nachhaltigkeit
Die Ergebnisse eines Projekts dauerhaft zu sichern, gehört zu den größten Herausforderungen. Ob die Initiativen fortgeführt werden, hängt vom Engagement und von der Zusammenarbeit der Gemeinschaft vor Ort ab.
Bei uns ist aus dem, was als Projekt begann, ein fortlaufender Prozess geworden. Die geführten Storytelling-Touren sind attraktiv geworden und erfreuen sich bei Radfahrenden wachsender Beliebtheit.